Marokko 6: Fes, Chefchaouen und Tschüss

Gestern beim Trampen stieß ich auf meine erste kleine Pechsträhne. Fes verlassen war lächerlich einfach, und ich gelangte schnell in eine Kleinstadt vor Ouezzane. Der Ort war etwas skurril: breite und saubere Boulevards, gesäumt von Grill-Ständen, die für Cafes Spieße zubereiteten. Da ich Hunger hatte, setzte ich mich in ein Café und fragte nach Essen. Leider sprach niemand Französisch. Also begann ein Spiel, bei dem der Kellner mir alle möglichen Dinge vorsetzte und "C'est d'accord?" fragte. Ich bekam Wasser, Tee, Tomatensalat, Brot, Pommes und eine Suppe, auf die ich am Plakat gedeutet hatte. Auf ihr schwamm eine dicke Schicht Olivenöl, die mir Übelkeit bereitete - aber immerhin war ich danach satt.


Am Ortsausgang stand ich. Und stand. Nicht so lange wie in Europa manchmal, aber sehr ungewöhnlich für Marokko. Schließlich hielt ein Auto, das schon ziemlich voll war. Die drei Passagiere hinten rückten zusammen, wofür ich mich überschwänglich bedankte. Nach einer Weile fiel mir auf, dass die Atmosphäre im Wagen gar nicht so herzlich war wie vermutet. Vor allem schwiegen sich die Insassen an. Ich schaute mich etwas genauer um, und entdeckte auf der Heckscheibe einen ganz kleinen Aufkleber. "Taxi" stand drauf. So ein Mist! In Ouezzane bezahlte ich also Lehrgeld und versuchte, weiter zu trampen. Wieder verständnislose Blicke - fast wie in Europa! 

Da kam ein quietschgelber Oldtimer mit französischem Nummernschild vorbei und hielt an einem Café. Sogleich stellte ich mich daneben und fragte den jungen Mann mit Sonnenbrille, als er wieder herauskam. Pechsträhne Ende.

Er war gar nicht Franzose, sondern aus Casablanca, war aber Part der quasi-internationalen Jugend: französische Schule, amerikanische Highschool, Studium in Paris. Vermutlich in den "oberen" drei Prozent hier, aber für mich gut verständlich, also sehr nah an meiner eigenen Prägung dran. Wir hatten angenehme 150km zusammen und einen Tee bei Ankunft in Chefchaouen.

Dann traf ich meine Gastgeberin, Habiba, die alleine lebt und hier arbeitet. Trotz ihrer Eigenständigkeit kann sie sich ihrer Umgebung nicht entziehen, und zum Beispiel nur weibliche Gäste aufnehmen.

Heute war ich in der Stadt und den Bergen außen rum unterwegs, um mal wieder eine komplett andere Seite des Landes zu entdecken. Die Plätze sehen aus wie in einer italienischen Bergstadt, und die Häuser sind so himmelblau getüncht, dass der Himmel fast grau aussieht. Plötzlich spricht man nicht mehr Französisch, sondern Spanisch, und spanische Touristen tummeln sich auch in den engen Straßen. Ich habe einen Italiener getroffen, der schon seit anderthalb Monaten im Land ist; zusammen waren wir wandern. Jetzt sind wir auf einem Turm an der Außenmauer der Stadt, mit Blick auf das palmengefüllte Schloss, und während er eine Tüte raucht und mit einem Einheimischen quatscht, schreibe ich. Hier, das Rif-Gebirge, ist eine der größten Anbauflächen der Welt, und der "kif" ist die Ware, die im Export ganz oben steht (vor Oliven und Dosenfisch). Inoffiziell, natürlich.


Danach ist uns ein Spanier begegnet, der akrobatisch begabt war, und so verbrachten wir den Abend auf einem kleinen Platz und bastelten Jonglierstäbe mit kleinen Jungs.


Und dann tauchte mein Bruder in der Stadt auf! Eine kurze, süße Wiedervereinigung. :-)


Ab morgen wird vom mir eine kleine Funkstille herrschen, und möglicherweise ist dies mein letzter Eintrag aus dem Land. Bis bald!

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Kommentare: 1
  • #1

    Konny (Sonntag, 27 März 2016 23:19)

    Wow :D ich kann immer nur wieder staunen...melde dich auf jeden Fall bei mir, sobald du in Mannheim bist :*