Marokko 2: Landflucht

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Reisende sein können, wo sie doch eigentlich das gleiche im Sinn haben.

Wer mich kennt, den wird es jedoch nicht verwundern, dass ich nach zwei Nächten im Hostel auf viele Reisende gar keine Lust mehr hatte. Nicht weil es schlechte Menschen wären - aber noch mehr junge Deutsche muss ich jetzt nicht unbedingt in Marokko kennen lernen. Vielleicht war es auch deswegen nicht allzu leicht für Bruder, sich mir am zweiten Tag anzuschließen, vor allem mir direkt aus Oxford, den Kopf noch voller Agenda-Punkte.

Die Flucht aus Marrakesch half beim Runterkommen und dabei, einen Kompromiss zwischen unseren Vorstellungen zu finden. Also, Bus ja, dann aber Couchsurfing. Jetzt haben wir schon drei Nächte hier bei Khalid und seiner Familie verbracht, mit einem Himmel voller Sterne und der Aussicht auf bröckelnde Lehmburgen (die hier typischen Kasbahs). Sein Haus ist direkt an der Straße, auf der Busse voller Touristen täglich zu den berühmten Dades-Schluchten gekarrt werden, während wir durch die rote Steinlandschaft radeln oder mit Khalid halb wandernd, halb kletternd die Gipfel erklimmen.

Khalid ist faszinierend (jaja, ich weiß, dass ich das dauernd von Leuten behaupte. Überlegt mal, wieso). Als er uns an der Bushaltestelle abholte, kam mir jedenfalls ein Wort in den Sinn, das ich davor noch nie bei einem Menschen so zutreffend fand, und zwar: feingliedrig. Alles an ihm wirkt einfach, naja, fein. Die langen Finger, das geölte schwarze Haar, die gepflegten Klamotten.Genau wie der Charakter, irgendwie. Vorgestern stieß noch eine Tscheschin zu uns, die davon fast das Gegenteil ist. Nicht, dass sie plump wäre, aber wenn man Khalid als Aufsauger bezeichnen könnte, so ist sie ein Herauspruster. So hat dann ihr schallendes Gelächter das seine zur Stimmung im Haus beigetragen.


Zu dritt lernten wir mehr oder weniger erfolgreich ein paar Wörter im lokalen Berber-Dialekt und einiges mehr über die Region. Und zu zweit geht es heute Nachmittag weiter, bis wir dann heute Nacht die nächste Etappe starten. Die Wüste.


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Kommentare: 2
  • #1

    Konny (Freitag, 18 März 2016 12:26)

    Du schreibst immer so, dass man sich ganz leicht mit in dein Abenteuer reingesogen vorkommt. Vielen Dank dafür und für die Updates... bin gespannt, was noch alles passiert :)

  • #2

    der Papa ;-) (Freitag, 18 März 2016 19:34)

    dem kann ich mir nur anschließen