Beauty. Oh ja.

Sich auf die Schönheiten konzentrieren. Uni-Jahr 2, Teil 1.

Eine gewisse Hoffnung ist wieder da.

Dass ich ein "normales" Leben haben kann, was natürlich an sich schon eine komische Aussage ist. Ich meinte, ein normales Leben, wo man Zeit hat, Apfelkompott und Crumble mit Freunden zu machen. Wo man nicht immer so gestresst ist, sondern auch mal Zeit hat, spontan einen Ausflug am Fluss entlang zu machen, ein bisschen gehen, ein bisschen laufen, etwas klettern, Spaß haben, mit vorbeilaufenden Hunden spielen. Zu Musik-Abenden gehen, wo alles mit Lichterketten strahlt und man sich von sanften Klängen in eine andere Welt transportiert fühlt. Die Lichter in der Stadt beobachten und sehen, wie die Weihnachtsbäume aufgestellt werden. Mit meinen Freunden in der Küche abhängen und Musik hören und heiße Schokolade trinken.

Auf Konferenzen gehen und von Bianca Jagger (Mick Jaggers Exfrau) per twitter einen Kommentar abzusahnen, mit Gemeinschaftsprojekten in der Region Ideen austauschen, lernen, wie Druckereien mit Gemüse-Tinte arbeiten können und Fremden (Couchsurfern) einen Platz auf einer aufblasbaren Matratze anbieten.

An eine Zukunft glauben, in der nicht das ganze Leben von "commercial awareness" bestimmt ist, wo man leben kann und gute Dinge tut, ohne sich and einem Standard von Produktivität messen zu müssen.


Ich sage, ich will ein "normales" Leben - dabei meine ich aber ein Leben, dass mir liegt, dass mir Herausforderung und Neues, aber auch Freiheit und Kreativität bietet und in dem Wohlbefinden und Persönlichkeits-Entwicklung wichtiger sind als Noten im Abschluss-Zeugnis.


Heute gab das mal wieder einen schönen Kontrast von meiner zur "anderen" Normalität, so, wie sie manche andere verstehen. Ich war beim "Careers Service" für einen Workshop, der zur Vorbereitung auf mein Praktikum übernächste Woche dienen soll.

Das Praktikum an sich ist genial, ich werde bei einem sozialen Unternehmen ein Marketing-Projekt durchführen und dabei lernen, wie sie Supermarkt-Überschuss weiterverwerten. Alles gut.

Aber die Art der Karriere-Berater... Schon nach zwei Stunden hatte ich das Gefühl, dass der Lebenslauf die Essenz meines Selbst sein sollte und dass natürlich nur belegbare Berufserfahrung irgendwas wert wäre. Und da stelle man sich vor, dass manche Leute vor diesem Hintergrund ihr ganzes Leben verbringen.

Ich war gelangweilt und abgestoßen und hatte das Gefühl, generell eine andere Sprache zu sprechen als diese Leute dort, die mir doch helfen wollten.

Und hier geht es vor allem um eine Sache der Sprache und der Annahmen, die hinter geiwssen Ausdrucksformen stehen. Ich kann mich mit Dingen identifizieren, die von Karriere-Menschen als wichtig angesehen werden. So Dinge wie "Teamwork" und "Problemlösen" finde ich ziemlich cool und wichtig, weil man mit solchen und anderen Fähigkeiten einfach mehr erreicht.

Was ich nicht mag: Die Idee, dass es Arbeitgeber gibt, die die Welt bestimmen. Dass wir uns diese "Skills" aneignen müssen, um bessere Chancen auf einen Job zu haben. Dass wir dem Wohlwollen dieser Menschen ausgeliefert sind.


Was für ein Quatsch. Diese Ideologie nimmt uns das Recht auf Selbstbestimmung und lässt uns aus Zwang handeln. Warum gehen wir nicht einfach davon aus, dass Menschen Dinge tun wollen, dass sie ganz von selbst bestimmte Ziele erreichen wollen, und dass sie die sich dafür relevanten Fähigkeiten schon aneignen werden?

Ich will niemanden zwingen, eigene Motivation und eigene Ziele in ihrer Beschäftigung zu finden, wenn sie lieber Arbeit als Instrument sehen, um Geld zu verdienen.

Der Wahnsinn liegt nur darin, uns so zu indoktrinieren, dass wir vor allem erst mal an Chancen auf dem Arbeitsmarkt denken, bei allem, was wir tun. Seltsame Parallelwelt.

Ich jedenfalls habe Hoffnung, weil es sich nicht lohnt, die Hoffnung aufzugeben. Im Moment scheint es das Gesündeste, in meiner Normalität zu bleiben, die vielleicht nicht normal ist, aber immer näher an das herankommt, was ich ein erfülltes Leben nenne.


Deswegen, Schönheit, ja. Das ist kein Widerspruch zur Realität.

#inspirationalmusic

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