Ist.... an Bul :)

Dıe Unglaublıche Schönheit des Unerwarteten. Plus Schokokuchen.

Incredıble Istanbul. Vor allem: Ich habe es hıerher geschafft. Vielleicht werde ich jetzt doch keine Zeit haben, darüber zu schreıben, weil meın Gastgeber gerade heım gekommen ist und ich ihm meinen frisch-kreierten Schokokuchen anbieten möchte.



So war es dann auch. Viel bewegte Zeit, natürlich kein Moment zum Stillsitzen und Blog-Schreiben.

Heute habe ich einen Moment, wieder an deutschem Laptop, um zurück zu schauen. Bevor ich morgen wieder abzwitschere.


Die Anwohner auf der Vogelstang werden meine Istanbul-Geschichten sowieso schon kennen, weil ich sie bei meiner Rückkehr übersprudelnd von mir gab. So viel Freundlichkeit in einem einzigen Land, sogar noch konzentrierter in ein paar Menschen. Mein Gastgeber in Istanbul war ein solcher. 


Zuerst waren noch zwei weitere Couchsurfer-Mädels dabei, die mit ihren wallenden Röcken französischen Artisten-Charme versprühten. Ali kochte für uns, während wir Getränke und Wassermelone kauften und zeigte uns nach dem Essen den Campus seiner Uni. Ein richtig schönes Areal, und vor allem: eine Aussicht zum Niederlegen. Plus hunderte von halbstreunenden Kätzchen. Das Abendprogramm der Studenten also: Mit einem Bier die Aussicht genießen und dabei ein, zwei Fellbällchen auf dem Schoß wiegen. Am nächsten Tag besichtigte ich mit Marion und Claire die Altstadt. Das entsprach etwas mehr meinen Vorstellungen von Istanbul als das mit Einkaufszentren geschmückte Großstadtflair, das ich bisher wahrgenommen hatte. Denn, genau - der Bazaar! Ali hatte mich gewarnt, dass ich mich verlaufen würde, also versuchte ich gar nicht, mich zurecht zu finden, sondern ließ mich in den überdachten Gassen treiben. Nach einer halben Stunde schien sich ein Muster herauszubilden, überteuerte Stände mit Gewürzen und türkischem Honig, Klamottenläden mit Haremshosen und Bauchtanz-Kostümen und jede Menge Kram und Schmuck. Dazu ein ganzes Viertel mit Antiquitäten und sicherlich noch viele andere Ecken, für die mir die Energie fehlte. Ich (die ich mich in dem Moment von den Mädels getrennt hatte) musste über die Annäherungsversuche der Verkäufer lächeln. Wenn man erst mal durch den Beschuss einer indischen Einkaufsgasse gekommen ist, kommt einem der grand bazaar nämlich gar nicht so schlimm vor. Ich fand es eher faszinierend, wie viel Energie die Goldschmuckverkäufer auf mich verwandten ("Diamonds are a girl's best friends" - Wie oft der wohl diesen Spruch von sich gibt?). Für mich ist es recht offensichtlich, dass ich nicht die passende Klientel für Hochkarätiges bin. Aber normalerweise reichte es, zuckersüß zu lächeln und weiter zu gehen. 

Auf einer Straße vor dem Bazaar (dort, wo ich wahllos einen Ausgang genommen hatte), kaufte ich dann aber doch zum ersten Mal in diesem Urlaub etwas, das kein Essen war. Und zwar einen Hut. Mein Schal ist nämlich zwar ein Wunderwerk der Vielseitigkeit, aber da ich ihn gerade zu einer improvisierten Tasche umgebunden hatte, konnte ich ihn nicht wie sonst als Kopftuch gegen die Sonne verwenden. Am Tag drauf kaufte ich mir auch einen dieser wallenden Röcke im Ausverkauf und fühlte mich fast so stylisch wie die Französinnen.

In der Blauen Moschee traf ich die beiden auch wieder und ließ sie sogleich zu einer ausgiebigen Shopping-Tour ziehen. Ich selber blieb noch etwas in der Moschee. Dort gab es eine Informationsstelle zum Islam und ein Schild verkündete, man solle bei Fragen gerne hereinkommen. Wer mich kennt, wird wissen, dass ich ein kurz darauf einer bekopftuchten Frau gegenüber saß und eine Diskussion vom Zaun brach.

In grober Zusammenfassung ging es um Anstand, Kopftücher, den männlichen Sexualtrieb und die Verantwortung, die die Frau dafür trägt. Sie versuchte den Ansatz, dass ich ja auch nicht meinen Körper jedem zeigen wollte und am Strand zumindest einen Bikini tragen würde, bei ihr würde sich diese (in ihren Augen natürlich löbliche) Scham eben auf weitere Körperbereiche ausweiten. Als ich meinte, mir wäre es recht, in einer Gesellschaft zu leben, wo wir uns alle nackt bewegen wenn wir wollen und sich niemand darum schert, schaute sie ein bisschen geschockt. Ich glaube, danach hat sie mich in die Kategorie "schamlose Ungläubige" gesteckt und kurz darauf aus dem Büro komplimentiert.

Das und vor allem eine spätere Unterhaltung mit einem Deutschtürken (der besser argumentieren konnte) hat mich aber auf einen neuen Gedankenweg gebracht. So sehr an den Islam gebunden scheint mir die Kopftuch-Mentalität gar nicht mehr. Die Idee war dem viel zu ähnlich, was ich genau so von christlichen Konservativen in Deutschland hören könnte. Oder von mir aus Traditionalisten, auch wenn sie nicht christlich sind. Der Unterschied ist tatsächlich nur, wie weit sich das Verbot nackter Haut letztendlich ausdehnt: Ob es ein Hotpants-Verbot in der Schule oder die Verachtung offenen Haares ist, ist an sich nicht so relevant (Ich höre den Einwand: "Aber der Unterschied ist, hier sind wir doch so viel lieberaler!" Kann man den Grad der Freiheit an den Zentimetern tolerierter Nacktheit messen?).

Unterschiedlich ist die Begründung, aber auch nicht so sehr: Gottes Wort aus Abrahams Mund und Gottes Botschaft durch Jesus. Noch dazu die Begründung eines geregelten Zusammenlebens, die selbst von den Nicht-aktiv-Religiösen vorgebracht wird.

Die Form der Idee scheint mir die gleiche, der Unterschied ist wohl im konkreten Inhalt, den wir ihr geben, den wir als allzu wahr ansehen und gegen "die Anderen" verteidigen wollen.


Genug davon. Wer weiter diskutieren will, soll mich direkt ansprechen.


Ich jedenfalls ging in Alis Wohnung zurück und backte einen Schokoladenkuchen (oder buk einen Kuchen, für Duden-Puristen).

Am Tag drauf waren die Französinnen weg und ich besichtigte auf eigene Faust. Taksim, das "Zentrum" der Stadt, mit noch mehr Einkaufspassagen, den Galata-Turm, den Hafen, wo Verkäufer den Fisch gleich vor Ort brieten und als Sandwich anboten. Nach einer spektakulären Fähren-Fahrt (man stelle sich vor, nur etwa 60ct) war ich dann <Trommelwirbel> in Asien.

Ohh yes. Ali hatte mir gezeigt, welches der angesagteste Teil ist und ich lustwandelte den Nachmittag über durch die Gassen, gefüllt mit mundbewässernden Häppchen-Auslagen, alternativen Klamottenläden und Scharen türkischer Studenten. Hier zeigte sich die Stadt jung, frisch und kreativ und nicht konservativ wie in anderen Orten.

Nach der Uni kam Ali auch dazu und brachte mich zu einem türkischen Restaurant. Gar nichts von den Speisen (abgesehen von den gefüllten Weinblättern) auf dem Vorspeisenbuffet erkannte ich! Ich durfte mich nach Herzenslust bedienen und kostete die neuartigen und gleichzeitig traditionellen Gerichte. Ali gestand mir später, er dachte ich sei eingeschlafen, als ich ein paar Minuten lang mit geschlossenen Augen dem Geschmack auf meiner Zunge nachforschte. Viele frische Kräuter - ein Salat, der sogar fast komplett aus Petersilie bestand, getrocknete und gefüllte Paprika und Aubergine, Linsensalat, rötliche Bulgur-Bällchen, grüne Falafel... Wie viel Glück doch in einem guten Essen liegen kann.

Vor allem, wenn es so perfekt ist: die laue Abendluft, das Treiben auf der Straße, bloß ein paar Meter entfernt, und dann auch noch der letzte Abend nach knapp drei Wochen auf Reise. 

Als ginge es überhaupt noch besser, bestand Ali darauf, mich einzuladen. Sozusagen als Mission, mich vor meiner Abfahrt wenigstens noch in die Wunder der türkischen Küche eintauchen zu lassen. Und, wow, diese Mission hat er erfüllt. Kein Wunder, dass es am nächsten Tag umso schwerer war, die Heimreise anzutreten, direkt zurück Richtung Deutschland nach diesem Orientalischen Traum.






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