Wien.

Als wäre es nie anders gewesen.

Als ich gestern Nachmittag in Wien ankam, brach mir erst einmal der Schweiß aus. Ich scheine diese Stadt nur in ihren Extremen kennen zu lernen - Schneesturm im Februar und Hitzewelle jetzt, im August. Heute soll das historische Hoch von 37°C erreicht werden, die Zeitungen schreiben "Heißer noch als Rio".

Deswegen, und auch, weil ich im Bus weniger als sonst schlafen konnte, legte ich mich erst mal hin und schlief bis in den Abend hinein. Im lauen Sommerabend konnte ich mich dann dazu aufraffen, in der Stadt zu spazieren. Ich merke, dass mir die Blinddarm-OP von vor ein paar Wochen noch zu schaffen macht, aber es gibt ja keinen Grund, mich stressen zu lassen - wie gut, dass ich kein Tourist bin. Also setzte ich mich an der Donauinsel ans Ufer und betrachtete das Treiben. Drei Schwäne, die mich argwöhnisch beäugten, ein Herr Anfang fünfzig, der auf einmal platschend im Wasser saß (ob beabsichtigt oder nicht, weiß ich nicht), drei Afrikaner, die auf den Stufen hinter mir plauderten und Wiener Jugend, am Ausspannen.

Das Geplätscher von Flüssen ist ja anscheinend Gedanken-Anregend, jedenfalls hatte ich nichts besseres zu tun; deswegen wunderte ich mich. Meine letzte Übernachtung in einem Bett (in etwa) war bei meiner Cousine gewesen, wo ich seit langem zum ersten Mal die Routine eines langsamen Sommerurlaubs zu Hause wieder kennen lernte. Und jetzt war ich plötzlich hier, so weit im Osten und fast schien es, als wäre der ganze letzte Monat nicht passiert. Die Wochen schrumpften auf ein paar Erinnerungen, Großeltern, deren Feigenbaum, Arztbesuche... und lange Tage mit undefinierbaren Vorrichtungen verbracht. Bücher, Filme, Wissenswertes, Eiscreme, Obst und gemeinsame Mittagessen. Ein schöner Trott.

Mal sehen, wie ich nach all dieser Bequemlichkeit wieder auf Trab komme. Aber es muss wohl sein, mit langsamen Trippelschritten, aber irgendwohin. Was schert mich Tourismus, ich brauche bloß Bewegung. Und neue Gesichter, gelebte Geschichten; eigentlich all das, was ich in Büchern suche, nur in Echt.


Es macht doch irgendwie Sinn, dass man das Leben sehen muss, um sich lebendig zu fühlen, oder? 



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