Norwegen 3

Seit zwei Tagen ist mein Herz offen und leicht.

Alles ist, wie es sein soll und ich wünsche mich nicht mal mehr woanders hin, wenn ich von exotischen Orten höre. Ich gleiche mich Julians Seelenruhe an, die die eines Dauer-Reisenden ist (er ist seit September unterwegs). Langsam bin ich im Kopf nicht mehr in der Uni. Auch wenn es bald dahin zurückgeht.

Im Moment aber hat mich die Freundlichkeit der Leute auf dem Weg im Griff und die Sonne scheint, sodass wir dieses schöne Land besonders gut sehen können.

Wir reisen langsam und praktisch ohne Geld. Wir laufen und trampen, ein paar Kilometer pro Tag, zwischen 40 und 200. Wie um dem Wetter und meinem sonnigen Gemüt recht zu geben, haben wir Glück mit den Autos. Gestern nahmen unsere Gastgeber uns mit auf eine Tour und einen Ausritt.

Heute haben wir den Bauernhof erreicht, der das Ziel unserer bisherigen Reise war. Zwei Frauen in Feierlaune (auf dem Weg zu einem Oster-Mädelswochenende) nahmen uns mit aus Kristiansand. Als wir die große Autobahn verlassen hatten, machten wir uns ans Laufen. Nur über einen Hügel geklettert und schon waren wir verzaubert von einem See. Die Karte der Gegend sieht aus wie gefleckt, so viel Wasser gibt es hier!

Als wir den selben Hügel zurückkletterten, trafen wir vier Norweger, die wir nach dem Weg fragten. Was für ein Glücksgriff! Es waren Leute aus der Gegend, die gerade mit ein paar Freunden in ihrer Hütte am See das Wetter genossen hatten. Als sie unsere Geschichte hörten, beschlossen sie uns mitzunehmen, weil der Weg ziemlich weit war. Im Auto, einem Mercedes, der in den neunzigern einem Berliner Ehepaar gehörte (die Kassetten mit Tanzmusik waren auch noch drin), beschloss unser Fahrer, uns eine weitere gute Tat zu tun. Seine und die Ehefrau seines Freundes warteten in einem Hotel mit Ausblick auf uns und wir wurden kurzerhand auf heiße Schokolade und Käsekuchen eingeladen. Auf der Sonnenterasse machten wir und unter all den gutbetuchten Rentnern und wohlhabenden Ostergästen etwas seltsam aus, genossen das unverhoffte Glück aber in vollen Zügen. Keine Ahnung wie viel dieses kleine Fest unsere Gastgeber kostete, aber sicher war es mindestens so viel wie ein paar Tage unserer Reise (die ganze Woche über haben wir zu zweit nur etwas mehr als 10€ ausgegeben, und das auch nur, weil ein Host uns den Bus für je 3€ hat nehmen lassen - obwohl wir locker hätten laufen können).

Wer hätte das gedacht! Ein reiches Land mit überraschend warmherzigen Bewohnern haben wir gefunden.  


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