Prinzessin auf der Erbse? Ach wo!

Florenz!

Ich weiß genau, wo ich bin, als ich erwache. Das heißt aber nicht, dass ich es wirklich glaube. Auf der Straße höre ich aufgeregte italienische Stimmen, so, als würde sich jemand streiten, aber nur im Scherz. Unruhig rolle ich mich im Bett herum und versuche, Dora nicht anzustoßen. Schließlich öffne ich - ein wenig widerwillig - meine Augen und blicke nachdenklich auf die Staffelei. Ein Strohhut und ein Cordsakko hängen daran, wie Requisiten. Die Decke ist mindestens fünf Meter hoch (oder so) und in den anderen Zimmern tummeln sich Stuckengel wie unter einem zweiten Himmel. 

Ich weiß genau, wo ich bin. Ich bin in Florenz, heute müssen Dora und ich nicht arbeiten und wie es aussieht, haben wir in der Tombola der coolen Bekanntschaften mal wieder den Hauptgewinn gezogen. Ich lächle, als ich unwillkürlich an Amal denke, wie sie auf uns zukam, als hätte die halbe Welt Platz in ihrem Herzen inmitten der zierlichen Brust. Wie sie die Latzhose hochzog und ich dachte: "na bitte, nicht alle hier sind so gestylt".

Wir trafen sie in einer kleinen Straße nahe des Piazza Santo Spirito, wo sich die jungen und nicht allzu alten Italiener gerne treffen. Dora, die mit vier Wochen Florenz-Erfahrung genug wusste, um einen Streifzug zu planen, hatte mich davor schon dahin genommen, wo sonst alle anderen sind. Wir schlenderten über den Domplatz, dessen Kulisse wie aus Styropor wirkte (seit wann sind Gebäude so... Filmreif?) und ließen uns auch die angesagte Bar nicht entgehen. Es gab Karaoke, aber leider viel zu viele Touristen; meistens Amis auf Europareise. Als wir auf der leeren Ponte Vecchio den Arno überquert hatten, wurde Florenz wieder italienischer.

Schließlich trafen wir auf jenen Platz, wo die Florentiner selber ausgehen. Und schon waren die Leute unheimlich interessant. Wir plauderten mit einer Gruppe Jazzmusikern auf Tournee, noch etwas unbeholfen italienisch. Als der Platz etwas langweilig wurde, bogen wir in eine Seitenstraße ein, wo wir bald auf eine Menschentraube stießen. Der Treffpunkt war ein kleines Café, das an keinen Ort der Welt besser gepasst hätte. Augenblicklich fühlte ich mich wohler als in irgendwelchen Szene-Pubs und die Leute waren bunt gemischt. Hier stießen wir also auf Amal. 

Als das Café von ein paar Musikern für einen Video-Dreh beansprucht wurde, gingen wir zusammen weiter und wurden schließlich eingeladen, bei ihr und ihrem Freund Giuseppe zu übernachten. Und er, der Künstler, lebt in diesem riesigen Appartement, wo die Decke zum Himmel reicht und eine Katalogwohnung sich schämen würde gegenüber dieser Extravaganz. Wir schreiben einen Zettel mit einem großen Danke plus Kontaktdaten und schleichen uns auf Zehenspitzen hinaus, um die beiden nicht aufzuwecken.


Die Prinzessin reckt sich
Die Prinzessin reckt sich
Vielleichtaq doch ein Traum?
Vielleichtaq doch ein Traum?

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Kommentare: 1
  • #1

    Elli (Samstag, 09 August 2014 23:15)

    Hey :P
    Habe deine Postkarte erhalten :) Vielen lieben Dank! :D Hab mich riesig gefreut :D Dank diesem Post habe ich jetzt auch ein konkreteres Bild, was du meinst :)

    Viele liebe Grüße :*