Warum ich Nepalis so mag

Mal wieder ein Beta-Artikel, weil sonst nicht viel passiert

Was passiert (ist), lässt sich recht leicht zusammenfassen: auf den toefl-Test hinarbeiten und dann den Test schreiben. Das war gestern. Ich bin immer noch in Kathmandu und befinde mich in einem Zustand, in dem ich mich vage wundere, ob es jemals anders war. Hier kommt mir alles so vertraut vor und ich habe Schwierigkeiten, meinen Aktivitäten Namen zu geben. Man könnte vielleicht den Überbegriff "soziale Tätigkeiten" verwenden. Was heißt, dass ich herumlaufe und schaue, was passiert.

Der letzte Spaziergang hat mich dann zu diesem Artikel inspiriert. Kaum hatte ich meine Straße zu meiner nachmittäglichen Runde verlassen, da rief mir ein Ladenbesitzer ein fröhliches "Guten Morgen!" entgegen, und zwar auf Deutsch. Das fand mein Gehirn speziell genug um mich stoppen zu lassen und (auf Englisch) zu antworten: "Aber es ist doch kein Morgen mehr!". Im Folgenden passierte nicht Besonderes, außer, dass ich es vor einem halben Jahr noch besonders gefunden hätte, ohne Grund in einem Stickereiladen mit dem Inhaber über einer Tasse Tee eine halbe Stunde Small Talk zu betreiben. Und nicht ein einziges Mal gefragt zu werden, ob ich etwas kaufen möchte. Ich weiß nicht, ob das nur an all den Warnungen und damit verbundener Einstellung lag, aber selbst in Indien hatte ich nicht das Gefuhl, so frei mit Leuten umgehen zu können. Vermutlich, weil da so viele Leute so nahezu aggressiv meine Aufmerksamkeit gesucht haben, dass ich meistens weggehört habe. Hier ist es eher eine Art höfliches Interesse, nach dem Motto "ich sitze hier sowieso gerade und warte auf Kunden, da kann ich mir die Zeit auch angenehmer machen".

Von dieser Mentalität können wir uns in Deutschland ab und zu mal was abschauen. Ich weiß, ich weiß, hier ist alles so schrecklich ineffektiv und wenn fünf Leute in einem leeren Restaurant rumhängen, hat das vielleicht eher was mit einem fehlerhaften Management zu tun als mit Geselligkeit. Zu Hause hätte ich vermutlich sowieso keine Zeit zum Quatschen gehabt, weil ich schon einen anderen Plan gehabt hätte.

Und trotzdem habe ich eine ganz echte Freude daran, umherzuziehen und einfach mal zu schauen. Meistens freunde ich mich mit Leuten an, die ich sowieso schon über zwei Ecken kenne. Hier in Thamel kennt jeder jeden irgendwie (ich zitiere Naran: "Wenn ich jetzt nicht mehr in Alobar arbeiten würde, wüsste ich nicht, wohin, weil alle Resraurantbesitzer hier auch schon meine Freunde sind"). Mir ist gerade aufgefallen, dass ich jetzt, wo ich nicht mehr in Alobar wohne, kaum noch etwas mit Ausländern zu tun habe, abgesehen von oberflächlichen Unterhaltungen an meinem Lieblings-Falafelstand (weißt du, Mama, wenn man in die Seitenstraße zur Buddha Bar rein geht? Wir sind dran vorbei gelaufen, als wir zu dem Restaurant mit den Spießen gegangen sind...). Ist auch praktischer, die tendieren dazu, immer so schnell wieder abzureisen. Dagegen durfte ich gestern mal wieder alten Bekannten über den Weg laufen. Wie praktisch, dass es hier nur zwei, drei beliebte Bars gibt (Stell dir vor, Mama, der Irish-Pub-Mann hatte ein neues Hemd an! Es geht also doch).

Heute Nacht gibt es das nepalesische Neujahr zu feiern und danach mache ich noch einen Kurzurlaub, bevor ich zur "Meditierfreizeit" gehe.

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    mama (Freitag, 18 April 2014 12:54)

    es war eine tolle zeit mit euch! Gerne wäre ich noch länger geblieben!

  • #2

    ronja-en-france (Freitag, 16 Mai 2014 17:03)

    ja, es war viel zu kurz! Aber es war klasse, das zu teilen :-) Bis bald in Deutschland!