Reisen. Endlich.

Eisenbahnromantik, Bootsfahrten und das gewisse Etwas

Erst jetzt fällt mir auf, dass mit gewisser Ungeduld auf diesen Moment gewartet habe: Es beginnt. Ich weiß, bei mir gibt es in letzter Zeit nur noch Neuanfänge. Diesmal: weg von dem ganzen Strand, den ganzen Leuten, der Bequemlichkeit. Vor allem mit Antoine&Co, die für meine Ankunft in Indien das beste gegen Verlorenheit waren, das ich mir wünschen konnte, war mein Leben zu einfach. Am Strand rumhängen und Geld in netten Restaurants ausgeben ist schön... für einen Urlaub. Nie war mir klarer, dass ich keinen Urlaub machen will. Ich bin gerade auf der vielleicht größten Studienreise meines Lebens - es wäre reinste Zeitverschwendung, nicht zu lernen, so viel ich kann. Und wenn es "nur" darum geht, eine entspanntere Haltung zu lernen. Überhaupt mal eine andere Haltung.

Deswegen hat mein Herz heute morgen genüsslich getanzt, als Anne-Laure und ich von unserem gemütlichen Homestay in Fort Cochin (das ein Freund organisiert hatte, der unsere Komfort-Ansprüche höher setzte als wir selbst) in die Nachbarstadt busgefahren sind, ohne Plan, aber mit Ideen.

Am Bahnhof. Wann fährt der Zug nach Alleppey? In einer Stunde. Genug Zeit, Zutaten fürs Frühstücks-Porridge (einer der Vorsätze: Essen mal wieder selber zubereiten) zu besorgen und selbiges am Bahnsteig vorzubereiten.

Ich hatte mal erwähnt, was für ein Generve es ist, Tickets online zu reservieren. Inzwischen weiß ich, dass man ganz gut zurechtkommt, wenn man es direkt kauft - vorausgesetzt, mal braucht keine Bett-Reservierung. Ihr könnt euch denken, dass mir diese Reiseart viel mehr liegt, als alles einen Monat vorauszubuchen. Und für die 57km zwischen Ernakulam und Alleppey bezahlt man gerade mal 30Rs (36ct)!

Ich genieße das Zugfahren überall, aber in Indien liebe ich es. Alleine, weil es auch noch die billigste Reisevariante ist. Und sehr komfortabel - ohne aber in unnötigen Luxus abzudriften. Ich liebe die Freiheit der offenen Türen und Fenster und Zucker jedes Mal verzweifelt zusammen, wenn ein Inder mit seinem Müll der grünen Landschaft bunte Plastiksprenkel verpasst. Mülleimer sind das einzige, was wirklich fehlt im Zug.

(* ich ZUCKE zusammen! Sorry...)

 

Angekommen, sehe ich einen Bus bei der Abfahrt. Schnell auf den schon rollenden Bus aufgesprungen, ohne zu fragen, wo er hingeht. Wird schon passen. Tut es auch. Nach einem Mittagessen in einem Restaurant, das von seinen Angestellten selbst gemanagt wird ("the Indian coffee house" - eine interessante Geschichte!) finde ich bald ein passendes Guesthouse. Und bin mal wieder über die Flexibilität indischer Preise erstaunt, als ich nur durch ein Stirnrunzeln 100Rs im Zimmerpreis einspare.

Morgen nehme ich das Boot von hier aus südlich und hoffe, einen Blick auf Keralas berühmte "Backwaters" zu erhaschen. Jetzt bin ich froh um die Ruhe im Hotel und die ausgezeichnete Internetverbindung. So kann ich auch mal wieder Bilder hochladen!

 

Außerdem muss ich erwähnen, dass trotz der ganzen Abenteuerlust Pausen nicht zu kurz kommen sollten. Die brauche ich auch, um all das zu verarbeiten, was hier so passiert, so wie die schwülen 31°C, die schon ein bisschen drückend sind.

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Charly (Donnerstag, 23 Januar 2014 09:38)

    Dieser Sonnenuntergang ist der Wahnsinn!!! Was für faszinierende Bilder!