Ab ins Wasser!

Indien, die neue Welt - ein Sprung ins Unbekannte

Anne-Laure und ich sind in Hyderabad. Nach den Aufregungen, die hier schon eine relativ kurze Reise mit sich bringt, sind wir mehr als froh, uns zurückzulehnen und umsorgen zu lassen. Heute Morgen sind wir hier bei Athulya angekommen, die ich in Kathmandu auf der SAYC kennengelernt habe. Ihre Mutter hat uns Frühstück gegeben und all das, was die Ankunft in einem indischen (oder generell freundlichen) Heim so toll macht. Besonders jetzt.

 

Das Wochenende waren wir in Hampi, mit Anuj, David und Shivani; Antoine konnte letztlich leider nicht kommen. Es war trotzdem einfach nur genial. Ab in die Landschaft, ab in die Mystik von jahrhundertealten Tempelruinen umgeben von Palmen und Reisfeldern, in die Felsbrocken wie die Spielsteine von Göttern geworfen sind. So sagt es auch die Legende, die an diesem Ort, der einst Hauptstadt eines der größten Hindu-Reiche war, sehr lebendig wirkt. Wir mieteten Mopeds und fuhren durch die Gegend, saugten all das in uns auf und wunderten uns, sobald wir unsere Bilder anschauten: Waren wir wirklich hier?

Wir verbrachten den Nachmittag im wundervoll kühlen Wasser des Sees und sahen von den Felsen in den Sonnenuntergang hinab, um schließlich die halbe Nacht draußen zu verbringen, weil die Luft sowieso so warm war.

 

Ein langer Samstag war das, ein magischer Tag - und dann endete das fröhliche Zusammensein plötzlich am Sonntagmorgen, viel zu früh natürlich. Alle außer Anne-Laure und mir mussten zurück nach Bangalore und Anuj ist inzwischen schon wieder in Delhi. Arbeit.

Wir beide nun sind frei und genießen diese Freiheit für die nächsten zwei Monate zusammen.

Und doch fühlte sich dieser Sprung ins kalte Wasser wesentlich unangenehmer an als das Eintauchen ins klare Seewasser. An jeder Ecke fanden sich Gelegenheiten, die Abwesenheit unserer Freunde zu beklagen, besonders die von Anuj. Seit meiner Ankunft in Indien war er an meiner Seite gewesen und egal in welcher Gruppierung wir mit den anderen unterwegs waren, wusste er immer den Weg zu ebnen.

Nun, als zwei Ausländer, ist die Unsicherheit ein ständiger Begleiter. An jeder Ecke haben wir das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden und nie wissen wir, was normal ist oder wogegen man sich beschweren kann. Schon, um das Busticket nach Hyderabad zu buchen, riefen wir letztendlich Antoine an, da er von seinem Computer aus Zugriff auf Tickets hatte, die 500 Rupien billiger waren als im Reisebüro.

Die Reise selbst war ähnlich nervenaufreibend, da wir kaum Bargeld mehr hatten und alle drei Automaten im Ort mit unseren Karten nichts anfangen konnten. Ausserdem war der Bus zu spaet (wir sahen uns schon an der Station festsitzen) und die Fahrt natuerlich sehr ruckelig. Das machte Anne-Laure mehr aus als mir, da ich trotzdem halbwegs schlafen konnte, im Gegensatz zu ihr.

In Hyderabad angekommen, bezahlten wir das Tuktuk zu Athulias Wohnung mit unseren allerletzten 111 Rupien, statt der normalen 150 (auch wenn wir betonten, dass wir nur 100 haben, verlangte er doch wenigstens 120. Als Anne-Laure dann 10 Rupien in Muenzen auskramte und ihm die allerletzte Rupie mit einem Laecheln und dem Spruch "And this one is because you are nice" gab, konnte er nicht anders als lachen und es gut sein lassen). Auf dem Weg fanden wir zum Glueck endlich einen funktionierenden Automaten. Jetzt, wohlgenaehrt und mit Bett in angenehmer Aussicht, schweben wir also wieder in diesem "alles-ist-gut"-Zustand, den ich hier so oft verspuere.

 

Das Wort zum Abschluss ist die weise Erkenntnis, dass Indien einem viel abverlangt, wenn man alleine oder quasi-alleine (also sozusagen ahnungslos) unterwegs ist. Und ja, wir beide vermissen Anuj und die nette, sorgenfreie Zeit in Antoines Appartment. Aber das ist das gleiche Gefuehl, wie wenn man die Einfachheit von zu Hause vermisst, dort, wo man versteht, wie die Dinge funktionieren und immer viele Vertraute um sich hat.

Was ich damit sagen will: sosehr meine bequeme Seite sich dagegen straeubt, so sehr bin ich doch froh, das Bekannte und Einfache hinter mir zu lassen. Ich will lernen und das kann ich nur, wenn ich die Herausforderungen selbst meistere. Mit Anuj durch Indien zu reisen waere wunderbar. Aber es waere eher eine Art gefuehrte Tour, die uns die Dinge zeigt, aber nur halb erleben laesst. Alleine, weil sie die ganzen Unannehmlichkeiten und Seltamkeiten beiseite liesse, die aber doch irgendwie dazugehoeren.

Jetzt aber sind die Weichen gestellt fuer viel, viel Erfahrung. Anne-Laure und ich sind eine gute Kombnation, beide fremd hier, jung und erfahrungslustig. So koennen wir zusammen lernen und muessen uns all den Abenteuern doch nicht ganz alleine stellen.

Und die meiste Zeit sind es dann doch mehr als wir. Hier ist es Athulya, die trotz Studium und Arbeit mit iihrer quirligen Art noch etwas Zeit fuer uns einbauen wird, um mit uns zu besichtigen. Naechstes Wochenende gibt es ein Wiedersehen in Goa, zumindest mit Antoine und David und vermutlich anderen Freunden aus Bangalore.

Und in dieser vernetzten Welt hoert unser Freundeskreis dort nicht auf, sondern erstreckt sich auch nach Kerala, Tamil Nadu und Chennai (und Bombay, Pune, Calcutta, Jaipur, Chandigarh, Delhi... !)

Bin ich schon die beste Nachricht losgeworden? Nach unserer Suedspitzen-Tour sind wir zu einer indischen Hochzeit in Delhi eingeladen. Das wird so genial!

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Elli (Dienstag, 07 Januar 2014 21:41)

    Ronja du Abenteurerin :)
    Es ist einfach unglaublich was du alles erlebst.:D
    Ich wünsche dir weiterhin eine gute zeit. Pass auf dich auf:)

    P.S. Mach unbedingt ganz viele Fotos (auch mit dir wenn sich die Gelegenheit bietet);)

  • #2

    ronja-en-france (Mittwoch, 08 Januar 2014 06:01)

    es gibt neue fotos! :-)