Freunde, Freude und Get-togethers

Habe ich schon erwähnt, dass ich noch ein wenig bleiben könnte?

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich muss nun doch noch mal ausführlicher darüber sprechen, wie wohl ich mich gerade hier fühle. Ich habe Freunde, und das ist eine wunderbare Sache und wahrscheinlich wertvoller als alle Sehenswürdigkeiten, die ich besichtigen könnte. Deswegen wäre es mir egal, noch länger in Thamel zu bleiben, obwohl ich diesen Ort erst nicht allzu sehr mochte. Ihr könnt euch aber denken, dass es etwas Anderes ist, als Tourist hier herumzulaufen oder in einer Gruppe mit Freunden.

Gestern also war einer der Momente, wo mir klar wurde, wie einsam ich hier in der Fremde sein könnte - und wie ich es nicht bin! Am frühen Abend hockte ich nämlich etwas verloren herum. Ich wollte zu einer Vernissage in den Nachbarort gehen, aber nicht alleine - auch wenn ich mich ganz gut auskenne, wollte ich definitiv nicht nachts ohne Begleitung unterwegs sein! Ich fragte also einen Bekannten (der mir bei der Wohnungssuche geholfen hatte), ob er nicht mit ein paar Freunden mitkommen wolle.

Nein, kam die Antwort (es ist übrigens hilfreich, ein Handy zu haben, mehr noch als in Deutschland), aber ich könne in das Restaurant Namo Buddha in Thamel kommen. Ein anderer Freund würde eine Abschiedsparty feiern. Dort angekommen stellte ich fest, dass ich die Hälfte der Anwesenden schon kannte. Es ist so lustig, im Netzwerk hier langsam einen Platz zu bekommen und selber Verbindungen herzustellen (so, wie, "Oh, du auch hier?", wenn ein Freund letztlich der Bruder des Typen ist, den alle kennen und dann der Besitzer des Restaurants auftaucht, in dem wir ein Drittel unserer Abende verbringen und der nächste aus dem gleichen Ort kommt wie der Besitzer meines Hostels.)

So hatte ich also, dank dieser Kontakte, einen wirklich netten Abend statt im Hostel zu versauern. Und es stellte sich heraus, dass der zu Verabschiedende nach Deutschland fliegen würde. Seine deutsche Freundin war auch anwesend, mit einer Freundin. Insgesamt bestand die Gruppe zur Hälfte aus nepalesischen Männern und zur anderen aus deutschen/holländischen Frauen. Das klingt sehr nach "Nepalis, die Weißbrotmädels abschleppen wollen", aber so flach ist es dann doch nicht. Die Sache ist nämlich, dass es in Thamel einfach keine nepalesischen Frauen gibt. Vor allem nicht am Abend. Das ist mal wieder kulturell bedingt, da Familien unverheiratete Töchter meistens nicht aus dem Haus lassen (auch wenn ich schon Ausnahmen gesehen habe). Die Nepalis in Thamel aber arbeiten alle den ganzen Tag mit Touristen zusammen, was diese West-Ost-Durchmischung bewirkt. Wie auch immer. Ich wollte euch nur sagen, dass ich mich in guter Begleitung befinde, im Sinne von anständig.

 

Es hört ja bekanntlich immer dann auf, wenn es am schönsten ist, oder vielleicht glaubt man es auch so schön, weil man weiß, wie bald es endet. Heute Nachmittag gehe ich nach Bakhtapur (eine halbe Stunde entfernt), wo ich die nächsten fünf Tage mit der Konferenz beschäftigt bin.

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    der Papa (Montag, 16 Dezember 2013 18:17)

    ich sehe, du hattest beim Schreiben der Zeilen gleich meine Bedenken im Kopf (was die Aufteilung der Geschlechter betrifft). Geschickt vorab gekontert!
    Deine Aussage bezüglich der Notwendigkeit eines Handy, überrascht mich jedoch sehr ;-)
    Auch wenn es sehr fern ist, wünsche ich dir eine schöne Vorweihnachtszeit.
    LGP

  • #2

    Roni (Dienstag, 17 Dezember 2013 06:01)

    Ich muss ja auch immer mit bedenken, was für Ideen bei euch so ankommen! Es klingt ja doch immer anders als es ist...
    Jaa, und das mit dem Handy ;-)