Plupp

So schnell kann's gehen: auf einmal nur noch Warten

Das war's auch schon.Wer meint, dass ein "plupp" dem Ernst eines Oxford-Interviews nicht angemessen ist, mag ein bisschen Recht haben, dabei aber das Gefühl, das es erzeugt, vernachlässigen. Ungleich der Tage davor war gestern plötzlich kein Ernst, keine Nervosität in dem Sinne mehr da. Wieder einmal glaube ich, dass mich Nepal verändert. Dazu muss ich aber erst mal erzählen, was alles passierte, bevor ich erfolgreich mit den Tutoren sprechen konnte.

 

Ich hatte mir für die Gelegenheit extra ein Hotelzimmer genommen, da ich sicheres WLAN und einen ruhigen Raum für mich brauchte, was beides im Hostel und sonstwo nicht der Fall war. Gestern morgen bekam ich eine Nachricht, dass ich eine halbe Stunde vorm Interview einen Datensatz geschickt bekäme, den ich ausdrucken solle. So weit alles gut, das konnte ich auch im Hotel erledigen. Gegen fünf dann, also zwei Stunden vor der angesetzten Zeit, fiel im Hotel der Strom aus. Hallo, Nepal, da wären wir wieder. Machen konnte ich natürlich nichts, aber so schlimm war es nicht, da das Internet per Notstromaggregat versorgt wurde. In der Dämmerung fiel mir auf, dass meine Interviewer mich vielleicht auch gerne sehen würden... Bis um halb sieben hatte ich also mein Zimmer mit mehreren Kerzen ausgeleuchtet. Fertig für das romantische Ereignis! Wie gesagt, in Deutschland wäre ich zu diesem Zeitpunkt schon am hyperventilieren gewesen, da, ihr habt's erraten, der Drucker ohne Strom auch nicht funktionierte. Aber hey, kein Problem: Einfach zum nächsten Büro mit Strom durchfragen (was bei den tausend Reisebüros nicht allzu schwer ist) und das gefragte Dokument ausdrucken. Pünktlich um sieben war ich also vor meinem Tablet, im präparierten Zimmer, mit ausgezeichneter Internetverbindung. Wobei auch das relativ ist.

Als ich dann von Worcester.College auf Skype angerufen wurde, verstand ich nämlich nur halbe Sätze. Etwas unpraktisch, wenn es um ein Logik-Gespräch geht ("Okay, ich gebe jetzt die Definition von "Argument" durch [...]"). Nach zehn Minuten haben wir dann doch auf das gute alte Telefon zurückgegriffen.

Soweit war aber alles gut, ich freute mich immer noch auf's Gespräch (vor allem, da es mir ja in letzter Zeit an akademischen Gesprächspartnern eher mangelt). Die erste Hälfte war also Philosophie, Thema Logik. Was war ich froh, dass ich mir im September beim Scheiße-Schippen Podcasts von der Uni zum Thema "logical reasoning" angehört hatte! Das half im Einzelfall natürlich nicht, aber immerhin waren mir die technischen Begriffe auf Englisch nichts Neues. Als die Fragen etwas abstrakter wurden, kam ich kurzfristig in's Schwimmen ("wenn A und B, dann C und... wo war ich?"), aber letztendlich schienen meine Antworten nicht allzu schlimm gewesen zu sein. Der Philo-Tutor Dr. Stephenson, der auf dem Video recht jung ausgesehen hatte (also, nach Doktor-Maßstab), war auch ziemlich aufmunternd, was mir half, mich einfach auf die Fragen zu konzentrieren.

Dann ging es auch schon um Linguistik. Im Vergleich zu vorher war das ein rechtes Zuckerschlecken, auch wenn mir meine Antworten etwas irrelevant vorkamen. Es machte aber Spaß, darüber nachzudenken, welche Probleme ein Englisch-Muttersprachler beim Erlernen von Deutsch haben könnte. Dann kam der Datensatz zur Sprache: mehrere Englische Beispielfragen. Ich sollte jemandem, der gerne Englisch lernen würde, erklären, nach welchen Regeln diese Fragen (So wie, "We should go, shouldn't we?") gebildet wurden und wie die Ausnahmen funktionierten.

Alles in allem war das nicht sehr angsteinflößend und zum Angst haben hatte ich sowieso keine Zeit. Nach nur einer gefühlten Minute hieß es dann "Okay, danke für das Interview". Und plupp, das war's.

Ich war unheimlich erleichtert, dass es vorbei war und auch so verhältnismäßig reibungslos geklappt hatte. Bis jetzt aber wundere ich mich noch, dass es das schon war. Ich merke, was für ein großes Ereignis das in meinem mentalen Kalender war, und jetzt ist es einfach vorbei. Deswegen gönne ich mir jetzt einen Tag der Ziellosigkeit, bevor ich morgen bei der Jugend Konferenz wieder alle meine Sinne beisammen haben muss.

Und am besten vergesse ich auch gleich wieder, dass die Entscheidung aussteht und der nächste Monat schnell zur Wartezeit mutieren könnte. Erklären wir den Fall vorerst für geschlossen und warten ab, was das neue Jahr bringt. Zum Glück verspricht Südasien ein gutes Mittel gegen Langeweile!

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Kommentare: 3
  • #1

    der Papa (Samstag, 14 Dezember 2013 15:13)

    Der Beste Plan ist die Improvisation, denn es kommt ehedem anders als man denkt. Daher Glückwunsch zum überstandenen Interview. Die Daumen waren und bleiben gedrückt. Daher kann gar nichts passieren ;-)

  • #2

    Nina (Samstag, 14 Dezember 2013 22:39)

    Respekt! Das soll dir erstmal jemand nachmachen ;-) und auch wenn es nicht ganz auf die Situation passt, weil es dir nicht egal ist, fällt mir dennoch der Text der Ärzte ein: "du bist immer dann am besten, wenn's dir eigentlich egal ist"...

  • #3

    ronja-en-france (Sonntag, 15 Dezember 2013 05:51)

    haha - die Ärzte sind eine der wenigen Verbindungen, de ich hier zu deutscher Kultur noch habe (abgesehen von euch, natürlich)! Und ja, das ist wirklich das, was ich am meisten lerne hier. In Deutschland sind wir halt doch daran gewöhnt, Pläne zu machen und dann an ihre Umsetzung zu glauben, also so zu tun, als hätten wir die Zukunft in der Hand. Ich mag die Art hier, an Dingen nicht allzu sehr festzuhalten - solange man trotzdem noch etwas macht. Danke für das fleißige Daumendrücken!