Es läuft...

Wie ich noch mal ankomme

Der Ausflug hat mir gut getan, auch wenn ich zuerst gerne noch ein bisschen in den Bergen geblieben wäre.

Wundersamerweise hat es tatsächlich was gebracht, die Zeit nach den Wahlen abzuwarten. Mein "Alltag" sieht zwar größtenteils noch so aus wie davor, ich verbringe meine Nachmittage weiterhin im Büro - aber plötzlich fühle ich mich regelrecht beschäftigt. Ich arrangiere Interviews für meine beiden Recherche-Projekte und bekomme immer mal wieder Nachrichten, die ich für die Webseite aufbereite. Das ist wahrscheinlich die typischste Arbeit hier: Infos von Agenturen nehmen und in die Form von Artikeln bringen. Das Schwierigste dabei ist, immer die neusten Nachrichten zu finden. Voller Stolz habe ich auch gerade gesehen, dass mein gestriger Artikel als Top-Story in der Rubrik "Gesellschaft" aufgetaucht ist. Geschrieben bei "Ronya Lutz" ;-)

(Was immer noch besser ist als "Rondscha" genannt zu werden!)

 

Außerdem habe ich auch einen Ausgleich gefunden gegen die Frustration, im Hostel nur von anderen Ausländern umgeben zu sein - neben Kontakten mit meinen Kollegen konnte ich auch mit ein paar Nepalesen meiner Generation Bekanntschaft schließen. Ich war recht überrascht, wie ähnlich deren Leben unserem in Deutschland in manchen Punkten ist. Das kommt vermutlich daher, dass sie aus der urbanen Mittelschicht stammen: die Religion (->Hinduismus

) bestimmt ihr Leben nicht mehr so sehr wie in früheren Generationen und vor allem gehen junge Männer und Frauen miteinander entspannter um, als ich durch meine vereinfachte Informationslage dachte. Die Unterdrückung von Frauen ist sicherlich in ländlichen Gebieten ein Problem, aber bei den selbstbewussten jungen Frauen, die ganz westlich auftreten, gar nicht zu sehen.

Allerdings ist das Eltern-Kinder-Verhältnis ganz anders! Erwachsene Söhne werden noch mit Mitte zwanzig um neun Uhr abends von den Vätern angerufen und gefragt, wo sie stecken! Heimkommenszeitst dann spätestens zehn oder halb elf, im Normalfall. Ausweg aus dieser Abhängigkeit ist a) Heirat oder b)"Flucht" in's Ausland. Beides kommt dementsprechend häufig vor. Die Heiraten sind aber noch sehr oft arrangiert - das schien die meisten aber nicht zu stören. Ich habe sogar die Meinung gehört, dass man auf die Art wenigstens nicht zu viel vom Anderen erwartet; während Liebeshochzeiten oft daran scheitern, dass man die Liebe für ewig und unveränderlich hält. Ansonsten ist alles (Beziehungen vor der Ehe, Trinken, Rauchen, je nach Kaste auch Fleischkonsum) erlaubt, so lange die Eltern nicht davon erfahren. Dass wir in Deutschland in der Öffentlichkeit Bier trinken und es oft vorkommt, dass Kinder in der Gegenwart der Eltern trinken, hat ein bisschen Verwunderung - aber auch Anerkennung - hervorgerufen. Ich finde es auf jeden Fall spannend, mich endlich mal über solche kulturellen Unterschiede austauschen zu können, weil ich genau deswegen ja auch hergekommen bin. Es ist eben doch so bereichernd, von anderen Standpunkten zu lernen!

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Charly (Donnerstag, 28 November 2013 11:13)

    Das ist ja tatsächlich lockerer als das, was ich noch so aus em Religionsunterricht mitbekommen habe... wobei ich sagen muss, dass ich das mit dem jungen Mann über 20 schon etwas (!!!) erschreckend finde!

    Aber wahrscheinlich einfach, weil ich es anders gewohnt bin ...

    Dabei stellt sich die Frage, ob er noch zu Hause lebt oder selbst dann angerufen wird, wenn er schon längst ausgezogen ist...

    Ich muss sagen, dass ich diese andere Sichtweise auf arrangierte Ehen noch gar nicht in mein Urteil (was man sich eben so bildet...mit der Zeit) einbezogen habe...

    Interessant...


    Rubrikvorschlag: Unterschiede hier - dort

    =)


    Ich immer mit meinen Rubrikvorschlägen...irgendwann findet man sich gar nicht mehr zurecht =DDD

  • #2

    der Papa (Freitag, 29 November 2013 07:07)

    mojn Rondscha,
    schon interessant. Jetzt hab ich das auch mit den links. Die funtionieren nämlich auf dem Ipad anders als auf dem PC. Auf dem PC komm ic direkt auf deinen Artikel. Auf dem IPAD musste ich mit meinen mir verbliebenen Englischkenntnissen recherchieren ;-))
    Was macht nepali? Wieder ein paar Worte mehr?

  • #3

    Roni (Freitag, 29 November 2013 09:04)

    Es kommt anscheinend auch sehr auf die Gesellschaftsgruppe/Kaste an. Hier in Nepal ist das noch komplizierter als in Indien, scheint mir! Es gibt naemlich die urspruenglich indischen Siedler(Newaris), die den traditionellen Hinduismus mitgebracht haben. Dort gibt es unter den hoeheren Kasten drei Hauptgruppen: die "Lehrenden", "Businessmen" und "Priester". (Nicht alle "Priester" sind das wirklich, aber sie haben strengere reliogioese Regeln). Vor kurzem aber sass ich an einem Tisch mit vier jungen Nepalis: alle waren aus der "Kaufleute" Kaste, aber drei waren in einer Gruppe, in der man eigentlich weder Fleisch noch Zigaretten noch Alkohol konsumieren darf. Bei dem vierten war das voellig egal! Wie gesagt, es ist auch in der jungen Generation eigentlich nicht mehr wichtig. Aber heiraten zB waere ausserhalb der Kaste undenkbar.
    Und dann habe ich noch Kollegen hier, die aus dem Osten Nepals kommen und die teilweise sogar pro Gesellschaftsgruppe eine eigene Sprache haben! Und obwohl die meisten Hindus sind, sind traditionelle Gebraeuche auch eingemischt (so, wie manche Gruppen Schweine- und sogar Bueffelfleisch essen, was anderswo undenkbar waere).
    Das Problem bei Rubriken ist, dass man sie konstant fuellen muss :P Die Idee ist aber gut - auch wenn mir nicht immer alles auffaellt, weil es hier so normal ist ;-)

    Papa, hast du auch mal probier, uebers Handy an den Blog zu kommen? Habe naemlich eine mobile Version eingerichtet und wollte wissen, ob die funktioniert...

    Ich bin mit der Sprache total verwirrt, weil ich oefter mal auch von Hindi-Sprechern umgeben bin. Klingt aehnlich, was bedeutet, dass ich viele Woerter verwechsle :-)
    "asman" heisst "Morgen" auf Hindi ;-)