Hola, hola - Himalaya?

Wie alles anders kommt oder eben auch nicht

Vorneweg: ich bin nicht in Nagarkot. Das ist nicht weiter schlimm, weil meine Planung ja auch nicht besonders festgefahren war. Wenn ich meinen Plan als "aus Kathmandu rauskommen und was erleben" definiere, dann läuft alles nach Plan. Wobei letzteres durch ersteres natürlich bedingt ist. Was sage ich: Schon der Weg zum Bus war, wie ich mir gedacht hatte, ein Abenteuer an sich. Mehr noch als ich dachte. Ich war davon ausgegangen, - streichen wir das: hier fange ich besser an, nichts von vorneherein anzunehmen. Sagen wir also, ja, ich schaffte es, nach mehrmaligem Fragen die Busstation zu finden. Die sich als riesiger Platz voller Busse entpuppte. Als Fahrplan fungierten Männer, die mittendrin standen und mit monotoner, aber penetranter Stimme lauthals die Abfahrten verkündeten. Ich wollte einen "local bus" nehmen. Hieß das, dass die "tourist" reine Abzocke waren? Wollten mir die dazugehörigen Schreihälse eine teurere Fahrt andrehen? Ein Mitfahrender erklärte mir, dass Touristenbusse Expressbusse seien. Währenddessen wurde ich von allen Seiten angeschrien und gefragt, wo ich hinwolle. Ich dachte zuerst, ich müsse nach Bhaktapur. Darauf kam aus fünf Ecken:" Bhaktapur!! hier!" Inmitten der Busse, begann ich in Schweiß auszubrechen. Und auf einmal kam Bewegung in die Sache: alle Busse fuhren simultan los! Ich rettete mich auf eine Seitenstraße und atmete durch. Mein Ziel war - nach Konsultation des Reiseführers - nicht mehr Nagarkot, sondern Dhulikhel weiter südlich. Ich wurde aufgeklärt, dass es dahin sogar direkte Verbindungen gäbe und ich gar nicht in Bhaktapur umsteigen müsse. Ich sei allerdings an der falschen Station. Also weiter. Immer mal wieder fragend, wurde ich am Straßenrand schließlich in einen Bus bugsiert - auch ohne Haltestelle. Später merkte ich, dass die meisten Stops nicht sonderlich gekennzeichnet waren und die Fahrgäste teils auf den fahrenden Bus aufsprangen (auch wenn es für diese Linie einen noch viel größeren Buspark gab, der mir glücklicherweise erspart blieb). Zuerst war ich froh, dass dieser Bus das Gepäck nicht auf dem Dach verstaute, weil da ab und zu auch was runterfällt. Als ich mit gelben Säcken voller Klamotten zugebaut wurde, war ich kurz davor, meine Meinung zu ändern. Letztendlich war die etwa zweistündige Fahrt aber recht komfortabel. Auf dem Weg passierten wir sogar die größte Shiva-Statue der Welt (über 40m), als wir langsam in die grüneren Hügel vorstießen. Nach deutschem Verständnis bin ich schon in den Bergen, aber im Vergleich zum "echten" Gebirge im Hintergrund wird die Gegend "Hill Region" (Hügelregion) genannt.

In der Kleinstadt angekommen blieb ich erst mal in einer Masse aus Menschen und Mopeds stecken. Huch? Eine Frau in rosa-hellblauer Kurta (knielange, ab der Hüfte geschlitzte Tunika - traditionelles Gewand) nahm sich meiner an. Die UML war dabei, die Wahlen im Bezirk zu gewinnen. Die Masse strömte zum Rathaus, wo die Auszählung stattfand und ich wurde kurzerhand mitgenommen. Feiernde Kommunisten, die mir auch gleich eine Tikka, das rote Segenszeichen, mit pudriger Farbe auf die Stirn malten. Kommunismus hat hier nicht die gleiche Bedeutung wie in Deutschland, scheint mir, jedenfalls hat das Land eine sehr links-geprägte Vergangenheit. Kurz gesagt: Die Maoisten haben die Monarchie abgeschafft. Es gab Bürgerkrieg und 2008 waren die allerersten Wahlen (die Geschichte Nepals fängt grob gesagt 1990 an, davor gab es nur diverse Könige. Der vorletzte König wurde übrigens 2001 umgebracht, danach kam sein Bruder in einer konstitutionellen Monarchie an die Macht). Inzwischen gibt es zwei kommunistische Parteien. Gewonnen hat heute die marxistisch-leninistische. Deren Anhänger jedenfalls waren recht happy. Meine neue Begleiterin, Ram, lud mich darauf auf eine Tasse Tee mit Keksen ein und sogar zum Essen, als sie erfuhr, dass ich noch nichts gehabt hatte (das alles in einem lustigen Straßenshop, wo es Instant-Nudeln mit Gemüse und reichlich Chili aufgepeppt gab). Schon vom ersten Eindruck her war sie eine gebildete, selbstständige Nepalesin - allein, weil sie recht gut Englisch konnte. Bald erfuhr ich, dass sie früher Lehrerin gewesen war. Jetzt ist sie Vorsitzende einer Organisation, die Kinder auf dem Land zu kostenloser Schulbildung verhilft. Dafür war sie sogar schon mal in Deutschland! Wie auch immer, ich hätte es kaum besser treffen können. Es stellte sich nämlich heraus, dass sie durch ihren Beruf sehr geneigt war, mir ein paar Sätze auf Nepali beizubringen. Anders als die Meisten sprach sie auch langsam genug, damit ich die Wörter wiedererkennen konnte!Voller gutem Willen wollte sie mir auf meine Nachfrage auch auf der Hotelsuche helfen. Leider kamen wir dabei in ein luxuriöses Hotelresort. Einstiegspreis: 3500 Rupien pro Nacht, also zehn mal so teuer wie meine bisherige Unterkunft. Der Rezeptionist war allerdings sehr hilfreich und bot  schließlich sogar ein Zimmer für 1200 NPR an. Als ich auch das ablehnte, brachte er mich sogar in das nächste einfache Hotel und handelte dort den Preis auf 600Rupien runter. Ich könnte mir niemanden in Deutschland vorstellen, der bei dieser "Zeitverschwendung" nicht gegrummelt hätte! 

 

Ihr seht, der Tag war lange. Ich bin gerade erst beim Nachmittag angekommen, aber den Abend spare ich mir und gebe euch lieber eine Kurzversion in Nepali-Sätzen.

 

1) Bhaktapur-ma Jane bus Station kaha chha??

(Wo ist die Busstation nach Balhtapur??)

-> भक्तापुर्म जाने bus station कह छ??

 

lessons from Ram:

2) Tapai kaha bosnu hunchha?

(Wo wohnst du?)

तपाई कहा बोस्नु हुन्छा?

3) Ma Kathmanduko Thamel-ma bochi.

(Ich wohne in Kathmandu Thamel - darauf war ich besonders stolz)

म कथ्मंदुको थामेलमा बोचि

4) Malai boklayo!

(Ich habe Hunger!)

मलाई बोक्लयो।

 

Mein Lieblingswort aber war: sathi.

Zuerst wurde ich gefragt, ob ich denn ganz ohne Freunde unterwegs sei (dann, ob ich verheiratet sei) und schließlich sagte die Teeverkäuferin rührenderweise, dass wir ja alle Freunde sein. Außerdem stellte mich Ram allen Bekanntschaften auf der Straße als "sathi germanma" (Freundin aus Deutschland vor). Ich war überglücklich, dass sie mir die Kontaktaufnahme mit so vielen Menschen ermöglichte, indem sie langsam deren Worte wiederholte und neue Vokabeln auf Englisch wiederholte. Das machte mir umso mehr Freude, da wir auch mit Frauen sprachen, die ich sonst nicht verstanden hätte (Männer sprechen häufiger Englisch). Eines der besten Statements war, dass ich aussähe wie die Schwiegertochter, die der Sohn einer der Frauen in San Francisco geheiratet hat (es ist nicht unüblich für junge Nepalesen, nach Amerika auszuwandern).

 

Also: sathi, Freund. साथी

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Charly (Montag, 25 November 2013 11:02)

    Solche herzerwärmenden Geschichten geben einem Hoffnung, auch wenn sie vllt gar nichts mit der Situation eines Menschen zu tun haben...

    Danke. Diese Hoffnung habe ich gebraucht!

    P.S.: Woher wusstest du das nur =)

  • #2

    ronja-en-france (Montag, 25 November 2013 12:09)

    Wow. Sowas nennt man... das unvermeidliche Glueck der Menschheit ;-)
    Ich bin froh, dass ich dir was abgeben kann :)