Prioritäten setzen

Was vorgestern noch nach einem schrecklichen Gedanken klang, erfüllt mich jetzt mit Freude. Am Mittwoch nämlich entschied ich mich gegen das Reiten und für mehr Freizeit. Ich war etwas traurig, diese Gelegenheit zu verpassen, sah es aber als notwendig an, um andere Pläne zu verfolgen (was vor allem Planungen für die Zukunft bedeutet, die aber wirklich wichtig sind).

Heute aber verbrachten wir den gesamten Nachmittag und Abend bei einer unglaublich netten Dame, die keltische Fiedelmusik spielt. Sie ist verwitwet und lebt alleine, hat aber so viel Energie... Sie hatte noch einen anderen Fiedler eingeladen und zu dritt spielten wir wunderbare Volksmusiken. Die beiden waren erstaunlich, weil sie die meisten Lieder auswendig kannten und ich mich fast wie in einem irischen Pub fühlte (ich habe jetzt noch Lust zu tanzen). Zum Glück gab es aber auch viele, viele Notenblätter, die mir das Mitspielen ermöglichten.

Val (so heißt die Dame) bot mir sogar an, ein paar Lieder zu kopieren und mir eine keltische Zusammenstellung mitzugeben, bevor ich Weiterreise. Ich bin so glücklich damit! Mir ist klar geworden, dass es recht egal ist, ob ich ein bisschen Reiten lerne oder nicht, solange ich Dinge tun kann, die mich wirklich begeistern. Ich bin so froh, dass ich die Geige mitgenommen habe, und nehme alle Flüche zurück, die ich über Gepäckgewicht und -Volumen ausgestoßene habe. Wirklich, solange sie in meinen Rucksack passt, ist sie willkommen (vor allem hier, wo ich umherwandere und authentische Geigenmusik statt verstaubte Klassik lernen kann).

Ja, ich bin glücklich. Wie immer, wie es sich in meiner Scheinbar-Märchenwelt gehört, wendet sich nicht nur alles zum Guten, sondern wird regelrecht fantastisch. Was auch daran liegt, dass ich nach etwas schwierigeren Perioden umso enthusiastischer auf Positives reagiere. Ich muss nämlich sagen, dass die letzten Tage nicht nur gut waren; ich war dauernd müde (was sicher von der Kombi Arbeit+Krankheit rührt) und die Stimmung im Haus war teilweise recht angespannt, da so viele Dinge zu tun sind und Liz manchmal mit den Nerven am Ende ist bei all der Arbeit und vor allem Koordinierung. 

Es ist wie die Einstellung, die man hier zur Sonne hat und die mir sehr gefällt: genießen, was man kriegt. Als Beispiel muss ich da einen Morgen nennen, an dem Liz rief: "Kommt schnell raus, da ist Sonne!", worauf wir draußen Frühstückten, obwohl die Sonne nur die Reflektion von Sonne auf den Blättern im Wald gegenüber war. Wir genossen trotzdem das Wissen, dass  dda irgendwo die Sonne war und durchkam. Ich will auch gar nichts sagen; ich habe bisher  ein Stück blauen Himmel gesehen. Und, wenn diese Welt tatsächlich so perfekt ist, wie sie momentweise scheint, dann kann mich Liz sogar nächsten Dienstag mit nach Irland nehmen!

 

 

 

 

 

 

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